«Unser Versorgungsgebiet kann sich auf uns verlassen – heute und in Zukunft»
Herr Keller, welches Gefühl bleibt nach 13 Jahren an der Spitze?
«Stolz, gepaart mit Demut. Wir haben als Team viel erreicht – bei Projekten und in der Entwicklung des Unternehmens. Dass sich sogar Netzelektriker spontan bei uns bewerben, obwohl Fachkräftemangel herrscht, freut mich besonders. Natürlich hat es auch Fehler gegeben. Die halten einen am Boden.»

Was waren denn die prägendsten Entwicklungen in dieser Zeit?
«Seit 25 Jahren ist die Strommarktöffnung ein grosses Thema. Gleichzeitig wuchsen die Ansprüche bezüglich Regulierung stark – bei Transparenz, IT-Sicherheit und erneuerbaren Energien. Die Pandemie und die Energiekrise brachten dann nochmals eine neue Dynamik. Und mit dem revidierten Energiegesetz ist die Gasversorgung definitiv rückläufig. Darauf stellen wir uns schon seit Jahren strategisch ein und treiben die Dekarbonisierung systematisch voran.
Was war Ihr persönliches Highlight?
«Das flächendeckende Glasfasernetz. Wir haben damals in kurzer Zeit eine leistungsfähige Netzarchitektur für die Bevölkerung und die Unternehmen umgesetzt. Auch bei der Stromversorgungssicherheit gehören wir seit Jahren schweizweit zu den zuverlässigsten Versorgern – eine starke Ausgangslage für den weiteren Ausbau von Photovoltaik und Elektromobilität.»
Und die grössten Herausforderungen?
«Innovativ zu sein bedeutet, Risiken bewusst einzugehen und aus Fehlern zu lernen. Als sich aus der K3 Handwerkcity mit der damals ertragreichsten Solarfassade Europas ein Solarpanel löste, forderten uns die Korrektur und der Lernprozess stark. Weitere Grossprojekte haben wir mit dem Energieverbund SaisonLink und dem Umbau des Werkgebäudes in Angriff genommen. Ich habe aber keinen Zweifel, dass die Organisation das packt.»
Was macht Sie so sicher?
«Ich spüre grosses Vertrauen in uns und das gibt uns Handlungsspielraum, die Energieversorgung der Zukunft zu gestalten. Die gute Zusammenarbeit mit den Gemeinden und Partnern ist und bleibt zentral und bedeutet eine wichtige Stütze unserer Organisation. Auch bin ich überzeugt, dass die werke künftig bei Adrian Schmalz in guten Händen sind.»
Eine solche Zeit prägt. Wie haben Sie sich in den 13 Jahren verändert?
Ich habe gelernt, noch besser auf Menschen zuzugehen und zuzuhören. Auch ist mir bewusst geworden, dass man Ziele auf verschiedene Art gut erreichen kann. Mein Tempo und die konsequente Zielverfolgung waren nicht immer für alle einfach – da bin ich bewusst auch mal einen Schritt zurückgegangen.
Geben Sie uns einen Einblick, wie es im Ruhestand weitergeht?
Das Jahr 2026 ist bereits gut gefüllt: Ich spiele in einem Freilichttheater mit, besuche Freunde und bewandere nochmals den Jakobsweg. Ab 2027 möchte ich mich einer neuen, sinnhaften Aufgabe widmen, zum Beispiel in einer Non-Profit-Organisation.

Herr Schmalz, Sie sind seit 2024 bei die werke und kennen Wallisellen damit schon gut. Was haben Sie bereits bewegt?
«Ich war stark im Photovoltaik-Contracting involviert und habe mit der Gas- und Stromnetzstrategie wichtige Akzente gesetzt. Dazu kam die intensive Planung rund um den Umbau unseres Werkgebäudes wegen des SBB-Mehrspurausbaus und der kantonalen Veloschnellroute.»
Was bedeutet die Verantwortung für kritische Infrastrukturen für Sie?
«Strom, Wasser, Gas, Digitalnetze und neu auch thermische Netze – das sind Bereiche mit grossen Herausforderungen, für die Wallisellen auf uns zählt. Der Energieverbund SaisonLink ist aktuell unser grösstes Projekt und ein zentraler Baustein für die nachhaltige Wärmeversorgung unseres Versorgungsgebiets. Ich habe eine gesunde Portion Respekt davor. Aber wir stemmen das, mit der nötigen Bodenhaftung und gesundem Menschenverstand.»
Wie sehen die werke ihre Rolle in Zukunft?
«Die Versorgungsinfrastruktur verändert sich gerade grundlegend – und wir sind mit der Agglomerationsentwicklung, der Energiewende und dem SBB-Projekt mittendrin. Wir möchten der starke Energiepartner für die Bevölkerung und die Unternehmen sein. Mein Fokus liegt auf der Weiterentwicklung der Infrastruktur, der Kundenzufriedenheit und dem Teamzusammenhalt.»
Welche Rolle spielen die Künstliche Intelligenz und der Fachkräftemangel in Zukunft?
Ich bin überzeugt: KI wird dazu beitragen, dass junge Menschen wieder vermehrt die Greifbarkeit eines Handwerksberufs suchen. In der Infrastruktur sieht man das Ergebnis der eigenen Arbeit – das hat mich auf meinem Berufsweg immer begeistert.
Zum Schluss: Was möchten Sie Ihren Mitarbeitenden und Ihren Kunden mitgeben?
Den Mitarbeitenden meinen aufrichtigen Dank für ihre tägliche, verlässliche Leistung – sie sind das Fundament von allem. Und der Bevölkerung sage ich: die werke sind und bleiben eine Versorgerin, auf die man sich verlassen kann. Das ist heute so und das wird morgen so sein.